Palmen, Musik und hupende Taxis beim Ausgang lassen mich dann schnell ins Latinfeeling eintauchen, die zwei Flugwochen in Kolumbien können beginnen!
Ich bin schon ein paar Tage vor der Gruppe in Kolumbien und geniesse die ersten Tage mit schönen Flügen und möglichst viel Ruhe. Das mit der Ruhe ist aber in Südamerika generell und in Kolumbien speziell fast unmöglich. Wenn sich nicht gerade aus zwei verschiedenen Soundanlagen gleichzeitig Reggaeton und Salsa überlagern, fahren ständig unzählige Mopeds mit laut knatterndem Auspuff durch die Gegend.
Nach meinen ersten Akklimatisierungstagen fliegt Chrigel Erne ein. Nicht per Flugzeug, sondern auf seinem Zeolite, aus nördlicher Richtung kommend. In Roldanillo gestartet, fliegt er sich auf den ersten hundert Kilometern warm und überschiesst das Ziel grosszügig um einige Kilometer. Per WhatsApp lotse ich ihn wieder zurück ins Dorf Santa Elena und wir geniessen am Abend ein schönes und sehr grosses Steak zusammen.
Am Samstag kommt dann endlich die Gruppe. Es kann losgehen. Sven gibt uns zu Beginn einfache, unserem Energielevel nach der langen Anreise angepasste Tasks: das Tal hoch und wieder zurück, 40 einfache Kilometer zum Einstieg. Für viele ist das Flachlandfliegen noch unbekannt, und wir müssen uns zuerst getrauen, uns von den bekannten Bergen zu lösen.
Hat man einmal gemerkt, wie es auch im Flachen funktioniert, hüpfen wir von Schlauch zu Schlauch. Mit ein wenig Selbstvertrauen findet man auch im Absaufen tief über Boden zuverlässig wieder Anschluss. Geier markieren die Schläuche, Lowsafes tief über den Zuckerrohrfeldern beginnen richtig Spass zu machen!
Im Anschluss an die Flugtage bringen Sven, Chrigel und ich immer wieder neue Inputs zu Flugtaktik, aber auch zu Stressmanagement, Bewegungslehre und Entspannungstechniken beim Streckenfliegen ein. Es entwickeln sich spannende Gespräche, viel Neues wird gelernt und in die nächsten Flüge integriert.
Das Wetter ist labil. „La Niña“, ein Wetterphänomen im pazifischen Grossraum, das sich mit „El Niño“ abwechselt, hat das Cauca-Tal von Cali über Roldanillo bis ans Nordende des Tales fest im Griff. In all meinen Jahren in Kolumbien hatte ich noch nie so wechselnde Bedingungen. Normalerweise ist es bei La Niña generell feuchter als im El Niño Jahr, die Tagesbedingungen über längere Zeiten aber gleichbleibend.
Dank La Niña bleibt die lokale Föhnströmung, die normalerweise im Tal jeden Nachmittag starken Westwind vom Pazfik her bringt und das Fliegen kompliziert macht, entweder ganz aus oder setzt erst spät am Tag ein. So wird jeden Tag geflogen, und meistens sehr gut. Mal setzt der Regen früher ein, dann ist es wieder den ganzen Tag fliegbar und stark. Ideal für uns, so können wir lange fliegen und haben abwechslungsreiche Tage!
Die Flüge in Piedechinche, am südlichen Ende des Tales, gestalten sich ruhier, mit gemütlichen grossen Schläuchen, in Roldanillo weiter nördlich finden sich dann auch ab und zu stärkere, unserem Alpensteigen ähnlichere Werte, die das Vario über lange Zeit intensiver piepsen lässt und besonders Chrigel und Tobi spass machen. Grundsätzlich ist die Luft angenehm ruhig, es gibt wenig Wind und die Turbulenzen sind überschaubar. Das ist ein weiterer Grund, weshalb sich die Fliegerei in Kolumbien lohnt!
Insgesamt ist Kolumbien ein wahnsinns Flug- und Reiseland. Wer gerne viel und stressfrei fliegt, wer Abenteuer, lachende und offene Menschen, sehr kreative Architektur und Musik mag, wird hier sehr, sehr glücklich. Mit der Gruppe unterwegs zu sein, gemeinsam durchs Flachland zu heizen und zusammen Flugtage zu planen, war grossartig. Vielen Dank an alle, die Zeit mit euch war grandios!
Wir kommen im nächsten Jahr wieder, um das grosse Land mit einer Rundreise noch abwechslungsreicher zu entdecken.
Ueli