"Am Fusse des indischen Himalayas fanden viele Tibeter eine zweite Heimat, nachdem sie 1959 dem Dalai Lama ins Exil folgten. Bir ist eine solche tibetische Kolonie und die heterogene Bevölkerung macht daraus eine Art 'India Light'. Für Gleitschirmpiloten sind aber weniger die unzähligen buddhistischen Klöster interessant, sondern die südexponierten Hänge des Himalaya, die aus der dichtbevölkerten Gangesebene herausragen.
Selbst im unbeständigen Frühling kann man hier viel und gut fliegen. Wenn es die Wolken erlauben, kann man Erkundungsflüge über die schneebedeckten Massive des Himalayas unternehmen, bei Überentwicklung ist schnelles Fliegen in der zuverlässigen Monsterthermik an der Front angesagt. An weniger idealen Flugtagen laden viele Wege durch die Berge zum Wandern oder Biken ein und wenn es ganz miserabel wird, kann man sich gemütlich (und preisgünstig) in vielen tibetischen und indischen Restaurants die Bäuche vollschlagen.
Darum wollte ich auch im April 2017 wieder hierher kommen. Hier konnte ich die winterlichen Spinnweben abschütteln und soviel wie möglich in starken Bedingungen fliegen. Die steilen Hänge des Himalayas sind ideal um Trainingsläufe zu machen, etwas höher als der Üetliberg. Die ganze Atmosphäre ist entspannt und das war eigentlich der wichtigste Grund hierher zu kommen. Nach den ganzen Monaten mit zwei Vollzeitjobs, dem Barkeeping und der X-Alps-Vorbereitung, brauchte ich dringend mentale Beruhigung und einen gewissen Abstand. Yoga, angeleitet von meiner Freundin Sarah, half mir hierbei beträchtlich. Dies war auch aus einem anderen Grund nötig. Durch das übermotivierte Training der letzten Monate entwickelte ich zahlreiche Wehwehchen, mein nicht-20-jähriger Körper fing zu rebellieren an. Damit ich in der hohen Intensität überhaupt weiter trainieren konnte, beziehungsweise nicht ein chronisches Leiden entwickeln würde vor dem Rennen, musste etwas passieren. Das stundenlange Yoga nach dem Training war die zauberhafte Lösung. Und wenn man schon in Indien ist...
Diese Zeit in Indien half mir schlussendlich auch enorm, die richtige Motivation und mentale Herangehensweise für dieses enorme Rennen zu finden. Durch meine Aussenseiterposition habe ich wenig zu verlieren. Solange ich mich nicht im Spiel der Rangpositionen verliere und mit Freude und Spass die Sache angehe, weiss ich, dass das X-Alps ein grosser persönlicher Erfolg wird.
Es folgt für mich die finale Etappe der Vorbereitung: Das Rekognoszieren der diesjährigen X-Alps Route."