Das alle zwei Jahre ausgetragene Redbull X-Alps ist die inoffizielle Weltmeisterschaft im Bereich Hike & Fly und sicherlich der Gleitschirmanlass mit dem grössten Medien- und Zuschauerecho. 2017 ist neben Titelverteidiger Chrigel Maurer mit Krischa Berlinger auch ein Stadtzürcher mit dabei, wenn am 2. Juli in Salzburg das Startband fällt. Krischa, der diese Tage im indischen Bir trainiert, gibt uns Einblick in seine Vorbereitungen – mit Amboss trinken allein fliegt's nicht nach Monaco – und zeigt, wo der Hammer hängt. Hier der erste Teil:
"Als Ende Oktober 2016 das Mail von der Rennleitung reingeflattert kam, dass ich beim Redbull X-Alps für die Schweiz an den Start gehen würde, überkam mich zuallererst mal leichte Panik. Sofort schnürte ich meine Jogging-Schuhe und suchte mir den steilsten Weg auf den Üetliberg. Seit drei Jahrzehnten klettere ich und betreibe Alpinismus. Mal eher auf der Hobbyschiene und gemütlich, aber mitunter auch sehr obsessiv und ehrgeizig. So ist mir gezieltes Training nicht fremd. Auch Ausdauersport ist nichts Neues, doch wie und wie viel ich für dieses Rennen trainieren sollte, war mir nicht genau klar. Dabei durfte ich nicht vergessen, dass ich nicht mehr 25 bin. Aber genau das tat ich. Zu schnell drehte ich das Trainingsvolumen in die Höhe und meine Patella Sehne schickte mir alsbald die Rechnung. Die aufgezwungene Pause liess mir Zeit, mich genauer mit der Materie auseinanderzusetzen und einen professionellen Trainer zu organisieren.
Das physische Training setzt sich zusammen aus relativ unspezifischem Ausdauertraining (Velo, Trailrunning, Skitouren etc.), um Volumen zu kreieren und den Metabolismus umzustellen, und Krafttraining, um Verletzungen vorzubeugen. Je näher das Rennen kommt, desto spezifischer wird das Training. Zur physischen und mentalen Konditionierung laufe ich schnell mit Gepäck auf flachem Asphalt. Und natürlich Hike & Fly. Womit ich auch zum Wesentlichen komme. Das X-Alps wird nicht am Boden entschieden, sondern in der Luft. Der Winter hält seine eigenen fliegerischen Herausforderungen bereit, die aber sehr wohl auf das Rennen übertragbar sind. Ohne Vario in der schwachen Winterthermik kleine Strecken zu fliegen, mit Abwind im Schnee einen Hochleister zu starten, in möglichst unangenehmen Plätzen zu landen und Extremmanöver üben. Ich finde immer wieder Schwächen, die ich gezielt angehen kann.
Diese ganze Vorbereitung ist ein Job für sich und dabei arbeite ich abends noch als Bartender in der Kontiki Bar in Zürich. Aber auch so lässt sich dieses Rennen kaum finanzieren und Sponsoren zu finden kann sehr aufwendig sein. Aber die Gastroszene in Zürich ist eng und glücklicherweise fand ich schnell mit der Brauerei Amboss Zürich einen grosszügigen Partner. Organisatorisch ist das X-Alps eine grosse Herausforderung. Dass ich bereits Supporter in der letzten Edition für den Amerikaner Dave Turner war, hilft enorm. Und auch meine Supporter, Benjamin Jordan und Nils Kretschmer helfen mir, wo sie können. Ben ist mein Stratege, Sherpa und Psychiater. Nils war ebenfalls Teil eines X-Alps Team 2015 und bringt organisatorisches und lokales Know-How.
Jetzt ist aber der Frühling da. Die Stelle ist gekündigt und das Flugticket ins indische Himalaya gebucht. Die nächste Phase der Vorbereitung."
Wir freuen uns wieder von Dir zu hören, Krischa, und wünschen Dir effiziente und schöne Flug- und Trainingsstunden!