Schweisslos gelangt man nicht auf die Gross Hohmad (2307 m ü. M.), doch dank der Melchsee-Frutt-Bahn, ein sattes Steigen auf den ersten 900 Höhenmetern, ist der zu leistende Effort überschaubar und das Erlebnis kein minderes – eine sehr schöne Gratwanderung über dem Melchtal und ein Flug im Gebiet der Bartgeier.
Vom Wunsch getrieben, etwas Neuland zu erkunden im Hike & Fly Guide Zentralschweiz geschmökert und auf Seite 158 fündig geworden und Tags danach einen tollen Zwischengipfel in sehr eindrücklicher Landschaft entdecken dürfen: die Hohmad über dem Melchtal, Teil der Unterwaldner Voralpen, der Urner Alpen im weitesten Sinn. Alpin mutet das Gebiet denn auch zweifellos an; schroff, wild, reich an Zahl und Höhe die Nachbarsgipfel. Doch, das muss hier geklärt werden, die Hohmad selbst liegt im Jagdbanngebiet Hutstock und es gilt ein ganzjähriges Startverbot! Man darf sich in diesem Fall vom Hike & Fly Guide Zentralschweiz nicht verführen lassen, so wie wir das taten, man begibt sich auf illegale Pfade. Besser also, man studiert die Karten in der Vorbereitung genau, bleibt auf dem Weg der Tugend und wählt alternativ die Gross Hohmad als Ziel; die liegt ausserhalb des Jagdbanngebiets und näher am Ausgangspunkt und die Tour verliert, abgesehen von ein paar Höhenmetern, nichts an Attraktivität. Gross ist die Gross Hohmad vorallem dem Namen nach, denn sie ist weniger hoch als die Hohmad, am höchsten ist gar die Chli Hohmad. Der Name Hohmad leitet sich wahrscheinlich aus Hohe Matte oder Mahd ab und gross und klein bezieht sich demnach auf die Fläche, nicht auf die Höhe. Diese hohen Matten, obschon gleich neben dem hochfrequentierten Engelbergertal gelegen, sind wohl für viele Mittelländler, vor allem sommers, ein eher wenig bekanntes Gebiet und selten Ziel eines Tagesausflugs. Nach der Bahnfahrt auf die Melchsee Frutt gibt es Gaudi für die ganze Familie, doch darum sind wir freilich nicht hochgefahren und gerne entfernen wir uns ab hier zu Fuss davon. Auch die Bilderbuch-Landschaft auf der Frutt, mit ihren klaren Bergseen inmitten der Felsmacht, zeigt sich wenig angetan davon – sie imponiert nicht unseretwillen, doch eröffnet sie sich all jenen, welche die ruhende Kraft der Berge suchen. So wie die Bartgeier, die in diesem Gebiet Dank Wideransiedlungen in den letzten Dekaden eine neue Heimat gefunden haben und mit etwas Glück uns behäbigen Tuchspezialisten den richtigen Dreh anzeigen. Vielleicht erinnert man sich, wenn man auf der Hinfahrt oder dem Rückflug den Flüeli-Ranft kreuzt, dass es hier einst einen gab, der in der Verbundenheit mit Natur und Kreatur seine Seligkeit fand. Man spreize weit die Flügel aus.