Funktionale Bewegungsmuster beim Gleitschirmfliegen

Verständnis und Training für noch bessere Flüge

Unser Ziel der Gleitschirmschule paraworld.ch ist klar: Jede:r Pilot:in soll so bequem, entspannt und effizient wie möglich fliegen. Eine entspannte Körperhaltung schafft mentale Kapazität. Mentale Kapazität führt zu besseren Entscheidungen, und gute Entscheidungen erhöhen die Sicherheit.

In der Praxis beobachten wir in der Flugschule und auf Flugreisen oder Sicherheitstrainings jedoch häufig:

  • Gleitschirm Pilot:innen sitzen nicht optimal im Gurtzeug
  • Bewegungsabläufe sind unbewusst oder nicht funktional
  • In Stresssituationen passieren Bewegungen, die der Sicherheit schaden statt helfen


Mit diesem Artikel möchten wir das Verständnis für die eigene Körperhaltung verbessern und funktionale Bewegungsmuster erklären, um letztlich den Flugspass und die Sicherheit zu erhöhen.

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Grundlagen: Die richtige Einstellung des Gurtzeugs

Ein Gleitschirm Gurtzeug einzustellen wirkt einfach, ist aber erstaunlich komplex. Wettkampfpilot:innen investieren oft Stunden in die perfekte Einstellung, weil sie wissen: Bequemes und entspanntes Fliegen ist leistungs- und sicherheitsrelevant.

Ein gut eingestelltes Gurtzeug ermöglicht:

  • ermüdungsfreies Fliegen
  • parallele Bremsführung zu den Gurten
  • gute Abstützung des gesamten Rückenbereichs
  • eine kompakte und entspannte Körperhaltung


Das Thema Gurtzeugeinstellung könnte einen eigenen Artikel füllen. Deshalb unser Tipp: Komm unverbindlich bei uns im Shop vorbei und wir schauen uns deine Einstellungen gemeinsam an und optimieren sie.

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Funktionale Bewegungsmuster und Körperhaltung

Beobachtet man Profisportler:innen, fällt eines sofort auf: Sie haben volle Kontrolle über ihre Bewegungen und die Bewegungsabläufe sehen fliessend und funktional aus.

  • Sie wissen jederzeit, wo sich ihre einzelnen Körperteile befinden
  • Auch unter Stress bleiben Bewegungen bewusst und koordiniert
  • Sie handeln gezielt, nicht reflexartig

Je besser wir unseren Körper wahrnehmen, desto besser verstehen wir was wir gerade tun. Und nur wenn wir wissen was wir tun, können wir machen was wir wollen!

Ohne dieses Bewusstsein „passiert halt einfach irgend etwas“. Und da wir uns beim Gleitschirmfliegen in einem uns nicht naturgegebenen Element bewegen, ist das oft genau das Falsche. Hier ein paar typische unbewusste Bewegungen und Reaktionen von Gleitschirmpiloten:innen:

  • Der Blick geht zur Gefahr, anstatt zur Sicherheit
  • In Turbulenzen aufrichten und den Rumpf verspannen
  • In der Kurve geht der Aussenarm weit nach aussen
  • Unkontrollierte Spannung, statt gewählte Bewegung
  • mentale Blockade statt angepasste Handlung


Die Liste kann frei erweitert werden.

Sicherheit: Wenn falsche Muster gefährlich werden

Bewegungsmuster, die am Boden sinnvoll sind, können in der Luft fatal sein. Typische Beispiele in verschiedenen Situationen:

In Turbulenzen: Rumpf anspannen, aufrechter sitzen - Das Gurtzeug wird instabiler, man wird somit noch verspannter. Das Signal ans Gehirn ist: vorsicht Gefahr! Das freie und kreative Denken verabschiedet sich.

Bei Schirmstörungen: Man kippt im Gurtzeug schräg nach unten / hinten - Die Arme gehen reflexartig nach aussen oder hinten

Breite Armhaltung beim Fliegen: Ist anatomisch gesehen keine sinnvolle Haltung für das Schultergelenk. Man hat weniger Kontrolle und wird schneller müde. Und macht bei Klappern noch grössere Ausgleichsbewegungen anstatt den Schirm selber fliegen zu lassen.

Schreckreaktionen (z. B. Spirale): Der Körper geht in Schutzspannung und blockiert. Sowohl das Denken verabschiedet sich wie auch angepasste Reaktionen. Das ist in stabilen Spiralen oder bei Verhängern fatal.

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Die Lösung: Verständnis entwickeln mit einfachen Übungen

Um das oben alles wirklich zu verstehen, müssen wir unsere normalen Bewegungsmuster erstmal kennenlernen. Unsere Bewegungen sind häufig erst sinnvoll, wenn sie bewusst und angepasst geschehen. Gleitschirmfliegen ist ein Zusammenspiel aus Gewichtsverlagerung und Bremseinsatz, somit sollte sich der gesamte Körper sinnvoll mitbewegen. 

Übung 1: Ziehen und Rotieren

Setz dich hin und greife auf Kopfhöhe einen Griff. Z. B. den Haltegriff im Auto. Ähnlich, wie wenn du im Gurtzeug sitzt und an der Bremse ziehst. Ziehe daran und beobachte, was passiert mit:

  • seitlicher Rumpfmuskulatur
  • Druck der Hüfte auf die Sitzfläche
  • Oberkörperrotation


Übung 2: Blickrichtung

Im sitzen oder stehen bewegst du erst deinen Blick und dann den Kopf langsam:

  • nach rechts
  • nach rechts und leicht nach oben
  • nach rechts unten


Achte dabei auf minimalste Bewegungen in Hüften, Rücken, Brust und Schultern

Übung 3: Kombination

Halte den „Bremsgriff“ und spiele mit Variationen. Ziehe und ändere bewusst deine Blickrichtung gleichzeitig. Oder ändere die Blickrichtung zuerst und ziehe dann daran. Spürst du einen Unterschied?

Übung 4: Brust vs. Schulter

Sitze bequem im Gurtzeug oder zuhause auf dem Sofa und während den folgenden Bewegunsabläufen fragst du dich, welche Muskelgruppen du brauchst.

  • Hebe im Sitzen deine linke Brust leicht nach vorne.
  • Drücke die rechte Schulter ins Gurtzeug.
  • Kombiniere beides: Wird es einfacher?
  • Kombiniere den Blick und Zug am Haltegriff mit dieser Übung


Übung 5:
 Finde die 1000er-Note im Lee

Stell dir eine 1000er-Note zwischen deinen Schulterblättern vor. Spürst du sie? Jetzt denke an einen unangenehmen Leeschlauch und Turbulenzen:

  • Ist sie noch da?
  • Hat sie ihre Position verändert?


Idealerweise bleibt die Note immer schön am selben Ort, der Kontakt mit deiner Wirbelsäule und Gurtzeug bleibt immer entspannt gleich

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Grundsätzliches Körperbewusstsein aufbauen. Am Boden und in der Luft

Unser Körperbewusstsein kann trainiert werden und bei entsprechendem Training wirst du deine Bewegungen immer besser wahrnehmen. Das geht sowohl im Flug wie auch Zuhause auf dem Sofa.

Körperempfindungen bewusst wahrnehmen:

  • Druck der Schultern im Gurtzeug
  • Spannung oder Entspannung im Rumpf
  • Gefühl in den Händen
  • Anpressdruck im Gurtzeug. Wo ist er am grössten, wo ist er kleiner


Sehen:

  • Wo sind meine Hände?
  • Wo sind meine Ellbogen?


Beobachten:

  • Andere Piloten anschauen und eigene Fehler wiedererkennen


Absichtlich Fehler machen:

  • so breit wie möglich zu fliegen
  • den Rumpf bewusst zu verspannen
  • dich im Gurtzeug aufzurichten
  • nur mit der Bremse zu steuern und in die andere Richtung zu schauen


Bewusst Fehler zu machen schafft Verständnis und Kontrolle. Probiere das im sicherem Rahmen bei einem entspannten Gleitflug. Wer weiss, wie sich Fehler anfühlen, erkennt sie früher und kann sie korrigieren.

Fazit

Entspanntes Sitzen, funktionale Bewegungen und gutes Körperbewusstsein sind keine Selbstverständlichkeit. Sie sind trainierbare Grundlagen für sicheres und genussvolles Gleitschirmfliegen und ein sehr komplexes Thema.

Komm gerne bei uns im Gleitschirmshop vorbei, wir helfen dir gerne persönlich und unterstützen dich.
Dein Team paraworld.ch