Ozone Delta 5

Ozones kompromissloses Multitool für ambitionierte Sportpilot:innen.

Ein ausfühlicher Erlebnisberericht über den Delta 5 von Ozone: Direktes Handling, hoher Komfort mit 2-Leinerperformance!

Eine Flugwoche in Südfrankreich bot die ideale Bühne, um den Delta 5 in unterschiedlichsten Bedingungen ausgiebig zu testen. Vom Wind zerrissene 6-Meter-Schläuchen am Cheval Blanc und ruhiges Soaren über der Verdonschlucht beim Sonnenuntergang. Hier war alles dabei.


paragliding delta5 paraworld ch

Unboxing

Ein erster Blick auf den Schirm zeigt viel Neues: Auch der Delta 5 ist nun ein waschechter Zweileiner. Besonders schön sind die neuen Tragegurte. Mit höhenverstellbaren B-Handles und einer cleveren Bremsleinen-Aufhängung, die Magnet und Druckknopf kombiniert. Die Leinen sind übersichtlich: Drei A-Leinen, drei B-Leinen und die Bremse.
Trotz all den neuen Details, fühle ich mich als langjähriger Pilot der Vorgänger sofort zu Hause: Die moderate Streckung und die hervorragende Verarbeitung sind geblieben.

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Groundhandling und Start

Der Startplatz für den ersten Flug könnte kaum schöner sein: sanfte Hügel, schroffe Steilwände, der Lac de Serre-Ponçon und das Dorf Saint-Vincent im Blick. Ich breite den Delta 5 auf dem perfekten Kunstrasen aus und freue mich über die aufgeräumten, schnell sortierten Tragegurte.

Beim Start hilft ein kräftiger Impuls, damit sich der Schirm zügig mit Luft füllt und voll ausbreitet. Dann steigt er ruhig und zuverlässig als ein einheitlicher Block auf. Die vom Vorgänger bekannten Hufeisen- oder Bananenformen sind verschwunden. Korrekturen sind kaum nötig. Der Delta 5 neigt weder zum Überschiessen noch zu abrupten Bewegungen und reisst auch bei zu viel Bremse nicht gleich ab. Egal ob bei starkem Wind, im Aufwind stehend oder im Beschleunigungslauf, der Schirm bleibt zuverlässig über dem Kopf und hebt mich nach wenigen Schritten sanft in die Luft.

Beim weiteren Groundhandling fällt schnell das neue Reflexprofil auf: Überschiesst der Schirm, stoppt er selbstständig, ohne sofort einzuklappen. Natürlich sollte man sich darauf beim Start nicht verlassen, aber es zeigt, was in der Luft zu erwarten ist: ein Schirm, der mithilft.

Und wichtig für alle, die den Vorgänger oder die „kleinen Geschwister“ Rush 6 oder Swift 6 kennen: Auch beim Vorwärtsstart kommt der Delta 5 nun wieder zuverlässig, gerade und als solider Flügel hoch. Ganz ohne Tricks oder Stossgebete.

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Thermik und XC - Fliegen

Dafür wurde der Delta 5 gebaut! Und er liefert, was er verspricht!

Einer meiner Testflüge findet im südfranzösischen XC-Mekka Saint-André-les-Alpes statt. Ende September sind die Bedingungen ideal: hohe Basis, gute Steigwerte, moderater Wind.

Kaum in der Luft, sehe ich, wie auch die anderen Piloten, einige Hundert Meter draussen in der Ebene eine Gruppe Gänsegeier aufdrehen. Also voll beschleunigt hin, um nichts zu verpassen. Schon in der ersten Stufe erreiche ich über 10 km/h Zusatzgeschwindigkeit, in der zweiten zeigt der Tacho trotz Gegenwind noch über 50 km/h. Später zeigt sich: In Grösse ML beschleunigt der Schirm zwischen 15 und 18 km/h und das bei einem sehr hohen Trimspeed: beachtlich! Und trotz thermischer Luft bleibt er dabei beeindruckend stabil.

Das neue Profil mit mehr Reflex unterstützt dies: Es korrigiert übergrosse Anstellwinkel selbstständig, was die Kappe ruhig, nickgedämpft und entspannt über dem Piloten hält. Über die B-Handles habe ich dazu stets ein direktes Gefühl für die Luft und kann Veränderungen im Anstellwinkel intuitiv korrigieren. Selbst im unbeschleunigten Gleitflug, habe ich mehr Gefühl über die B-Handles als über die Bremse.

Zu meiner Freude bin ich so nicht nur als Erster bei den Geiern, sondern steige auch deutlich über sie hinaus. Als die anderen Piloten den Aufwind erreichen, habe ich bereits über 100 Meter Vorsprung.

In der Thermik zeigt sich der Delta 5 dann von seiner sportlich-agilen Seite: Mit nur rund 10 cm Bremsweg dreht er willig in den Aufwind ein. Wickeln wie bei anderen Zweileinern, wie dem Photon oder Lyght ist nicht nötig. Mit etwas Gewichtsverlagerung steht der Stabilo bald am Horizont, und ich ziehe enge, gleichmässige Kreise.

Im Gleitflug entlang der Bergketten zeigt sich der Vorteil des Delta 5 besonders deutlich: Je bewegter die Luft, desto grösser mein Leistungsvorsprung gegenüber anderen Schirmen. Ich bin schneller, sinke weniger, trotzdem bleibt alles entspannt. Mein Kopf ist frei um die beste Linie zu planen und die traumhafte Landschaft aufzusaugen. Es fühlt sich fast nach Schummeln an.

Am Cheval Blanc zeigt sich der Schirm dann im Härtetest: chaotische, starke, zerrissene Thermiken mit Steigwertspitzen jenseits von 7 m/s. Das Vario kreischt. Doch der Delta bleibt kooperativ, lässt sich präzise nachzentrieren und zeigt keine besonderen Schiesstendenzen. Das Vornicken beim Einflug in starke Ablösungen lässt sich gut kontrollieren, der Schirm kommuniziert klar und überrascht nie. Dennoch braucht es auch hier einen erfahrenen und aktiven Piloten. Während andere Schirme in meiner Nähe aber Klapper kassieren, bleibt mein Schirm solide und äusserst klappstabil.

Als ich über dem Cheval Blanc in noch immer bockiger Luft auf meine Kollegen warte, die sich noch nach oben kämpfen, habe ich sogar die Ruhe, mit anderen Piloten und Ueli im Retrieve-Büssli zu funken. Zwei Stunden später und viele Kilometer weiter, lande ich glücklich und entspannt in Saint-André. Was für ein Schirm! Noch nie war ich in so sportlicher Luft so ruhig, fokussiert und effizient unterwegs.


Manöver

So gedämpft der Schirm im Gleitflug ist, so dynamisch zeigt er sich bei Wingovern. Nach zwei Schwüngen ist man bereits deutlich über der Kappe und sie bleibt selbst dann solide, wenn sie komplett unter dem Horizont verschwindet. Ein echter Spassflügel!

Der hohe Bremsdruck sorgt dafür, dass der Schirm nur schwer zu stallen ist. Kurz bevor der Druck plötzlich nachlässt, signalisiert die Kappe glasklar: Jetzt die Bremsen freigeben! Ein versehentliches Abreissen ist kaum möglich. Gleiches gilt für die Vrille. Nur mit kräftigem, aggressivem Zug lässt sich der Abrisspunkt erreichen.

Bei den Abstiegshilfen sind die grossen Ohren möglich, erfordern jedoch viel Kraft und lassen sich nur schwer nachziehen. Sie schlagen leicht, bleiben aber gut beherrschbar. Alternativ lassen sich Tip-Stalls über die äusserste B-Leine ziehen: Sie benötigen weniger Kraft und schlagen nicht, bringen aber etwas geringere Sinkwerte.

Klapper? Fehlanzeige. In der ganzen Woche hörte ich kein einziges Ohrenrascheln. Nur beim Ausleiten einer Steilspirale geriet ich einmal ungünstig in meine eigene Wirbelschleppe, was zu einem leichten und unspektakulären Mini-Klapper führte.

Gezogene Klapper sind kaum möglich, da der Schirm als Zweileiner mit Faltleinen zertifiziert wurde. Für Trainingszwecke lassen sich Faltleinen nachrüsten, oder man übt mit einem anderen Schirm. Empfohlen ist auf jeden Fall das Trainieren von Verhängerlösungen bei einem Sicherheitstraining bei Paraworld. Denn so entspannt der Schirm sich auch fliegt: Es bleibt ein C-Schirm und ein Zweileiner.


Fazit und Eignung

Der Delta 5 ist ein hervorragender Begleiter für Pilot:innen, die einen leistungsstarken, agilen und dennoch entspannten Schirm für Streckenflüge in sportlichen Bedingungen suchen. Genau dort spielt er seine Stärken voll aus.

Er ist ideal für ambitionierte Aufsteiger:innen von einem High-B-Schirm sowie für erfahrene C- oder D-Pilot:innen, die mehr Komfort und direkteres Handling wünschen, aber nicht auf die Performance eines Zweileiners verzichten wollen.

Und für Hike-&-Fly-Fans gibt’s gute Nachrichten: Mit dem Ozone Alpina 5, der Leichtversion des Delta 5, ist jetzt auch die passende Leichtversion erhältlich, wir sind sehr gespannt auf die Leichtversion!

Du kannst den Delta 5 jederzeit bei uns testfliegen, schreibe eine Mail oder rufe an.